Samstag, 27. April 2019

Karfreitag - Kreuzigung und Tod

19. April 2019 - Nachtrag


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Karfreitag unter der Nummer 954.30. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Wochenspruch:

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3, 16)

Wochenlied:

O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85)
In einer fernen Zeit (Singt Jubilate 17)

Lieder im Gottesdienst

91,1-3 - Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken
709 - Psalm 22 - Herr, sei nicht ferne
85,1-3 - O Haupt voll Blut und Wunden
81,1-4 - Herzliebster Jesu
87,1-3 - Du großer Schmerzensmann
85,4-6 - O Haupt voll Blut und Wunden

Epistel: 2. Kor 5, 19-21

19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Laßt euch versöhnen mit Gott! 21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

Evangelium: Joh 19, 16-30

Pilatus überantwortete Jesus, dass er gekreuzigt würde. 17 und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf hebräisch Golgatha. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. 19 Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden. 20 Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. 21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern, dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

23 Als aber die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch das Gewand. Das war aber ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. 24 Da sprachen sie untereinander: Laßt uns das nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): "Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen." Das taten die Soldaten.
25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
28 Danach, als Jesus wußte, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. 29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund. 30 Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.

Predigt - Lasst euch versöhnen mit Gott

Karfreitag - draußen scheint die Sonne, wir gedenken des grausamen Sterbens Jesu am Kreuz. Warum muss Jesus sterben? Für unsere Sünden, sagen wir. Was aber sind unsere Sünden? 
  • Ihr werdet sein wie Gott!
  • Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist Böse von Jugend an. 
    • Gott hält an seinen Menschen fest.
      • Bund mit Noah
      • Bund mit Abraham
      • Bund mit Israel
  • 10 Gebote - Regeln zum Leben in der Freiheit!
Wir wissen, dass wir dagegen verstoßen. Wir schließen von uns auf Gott und meinen, er sei uns böse, er müsse besänftigt werden - jeder einzelne müsse Gott besänftigen. Durch Opfer. Jesu Tod am Kreuz von Golgatha sei das größte und letzte Opfer, sagen wir, und unsere Gebete.

Anmerkung: Die nachfolgenden Gedanken habe ich schon mal am Sonntag Judika vorgetragen. 

Aber es geht noch um viel mehr. Es geht darum, dass die Menschheit es nicht zulassen will, dass Gott über ihr Leben bestimmt. Wie ist das zu verstehen? Jesus hatte mit seinen Reden und mit seinem Handeln und mit seinem ganzen Leben gezeigt, wie Gott ist und wie er uns Menschen will: Gemeinsam, miteinander, und Gott die Ehre geben.

Das aber nicht allein für eine besondere Elite, für die Frommen, für die Reichen, sondern für alle Menschen. Das hat Jesus mit seinem Leben bezeugt. Deshalb ist er auch zu denen am Rande der Gesellschaft gegangen. Schon die Auswahl seiner Jünger war eine Provokation gewesen. Zöllner, Prostituierte, Aussätzige, Kranke - auch ihnen hat er geholfen. Deshalb nannten ihn die Menschen Messias, Retter, Christus, Heiland der Welt, Menschensohn, Gottes Sohn, Sohn Davids, König. Er war es, der den Menschen Heil brachte, der zerstörte Verhältnisse und Leben wieder heil machte. In seiner Nähe erlebten die Menschen schon ein Stück des Himmels auf Erden.

Und genau das wollten die Mächtigen nicht wahrhaben. Das schmälerte ihren Einfluss, das schmälerte auch ihren Gewinn. Dann gab es kein Oben und kein Unten mehr. Deshalb diffamierten sie ihn als einen Fresser und Säufer, einen Freund der Huren und Zöllner.

Wenn Jesus recht hatte, wenn er das war, was die Menschen ihm nachsagten, dann konnten die Oberen der Juden, die Pharisäer, die Sadduzäer, der Hoherat und der Hohepriester nicht mehr auf ihre Vormachtstellung pochen. Dann öffnete sich der Kreis. Dann waren sie eine Gruppe unter anderen frommen Gruppen. Dann legten sie nicht mehr allein fest, wie die Heilige Schrift zu verstehen ist.

Und von den Römern gedacht, von Pontius Pilatus? Wenn Jesus tatsächlich der König der Juden war, wie es die Menschen bei seinem Einzug gerufen hatten, dann musste auch Pilatus um seine Stellung fürchten. Dass dies ein sanftmütiger König war, ein Gerechter und ein Helfer, dazu auch noch arm, so hatte es der Prophet Sacharja gesagt - das konnte Pilatus nicht denken. Er sah nur den Konkurrenten, dem er mit Gewalt begegnen musste.

Und so taten sich die Mächtigen zusammen - die Mächtigen aus der Religion und die Mächtigen aus der Politik. Das Urteil stand sofort fest: Der Tod! Aus! Vorbei! Kurzer Prozess! Dann haben wir unsere Ruhe! So einfach ist das - bis heute!

Wenn Gott es zulässt, dass sein Sohn ein Opfer religiöser und militärischer Gewalt wird, dann hält er uns und unseren Verhältnissen einen Spiegel vor. So grausam können Menschen sein.

In der Gegenwart erleben wir es, dass muslimisch radikalisierte Menschen das eigene und das Leben anderer nicht schonen und meinen, Gott damit einen Gefallen zu tun. Aber wenn wir das sagen, müssen wir Christen beschämt den Kopf senken. Denn auch unsere Religionsgeschichte ist geprägt von Gewalt.

  • Kreuzzüge
  • Inquisition
  • Hexenverfolgung
  • Judenpogrome
  • Konfessionskriege

Es ist eine Grausamkeit, die offensichtlich in der menschlichen Natur liegt und die von der Religion verstärkt wird.

So grausam sind Menschen! Sie gehen über Leichen - so manches Mal schon, wenn sie einfach ihren Vorteil sehen, so manches Mal, wenn sie meinen, es diene einem höheren Zweck, ja, es gefalle Gott.

Nein, es gefällt Gott nicht! Und es gefällt Gott auch nicht bei der Kreuzigung Jesu, denn er selbst erweckt seinen toten Sohn zum Leben und bestätigt so, dass all das, was Jesus im irdischen Leben gesagt, getan und bezeugt hat, dass das dem Willen Gottes entspricht. Und es gefällt Gott nicht, was heute passiert.

Im Nachfolgenden nehme ich die Botschaft aus der Epistel auf und lege sie aus: Lasst euch versöhnen mit Gott. Diesen Aspekt hatte ich am Sonntag Judika nur kurz angerissen. 

Wo liegt nun das Problem? Wir sind mit Gott und mit uns selbst nicht im Reinen. Wir leben total Ich-bezogen! Alles soll sich unseren Bedürfnissen unter- bzw. zuordnen. Wir meinen, alles im Griff zu haben bzw. alles machen zu können, was dem Profit nützt.

Genesis: Ihr werdet sein wie Gott. Wir wissen um diesen Aufstand. Wir haben ein schlechtes Gewissen. Wir schließen von uns auf Gott und meinen, Gott sei uns böse, er zürne uns. Deshalb müssten wir ihm ein Versöhnungsopfer bringen.

Epistel: 19 Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! 21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. (2. Kor 5,19-21)

Menschen, die mit Gott im Reinen sind, die sind auch im Reinen mit sich selbst und mit dem Nächsten - und die setzen sich ein für eine Welt, in der jeder seinen Platz finden kann - damit wir im Frieden miteinander leben können.

Es scheint die Sonne. Auch wir können unsere Welt wieder heller machen - wenn wir Gott folgen, auf sein Wort hören!

Andacht zur Sterbestunde Jesu - 15.00 Uhr - Friedhof Hüttenstraße

81,1-3 Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen
709 - Psalm 22 - Herr, sei nicht ferne
76,1-2 - O Mensch bewein dein Sünde groß
85,1-6 - O Haupt voll Blut und Wunden
86,1.8 - Jesu, meines Lebens Leben

Gelesen wurde noch einmal Johannes 19,16-30

Die Predigt ging über 3. Mose 16,20-22

20 Und wenn er die Entsühnung des Heiligtums vollbracht hat, der Stiftshütte und des Altars, so soll er den lebendigen Bock herzubringen. 21 Dann soll Aaron seine beiden Hände auf dessen Kopf legen und über ihm bekennen alle Missetat der Israeliten und alle ihre Übertretungen, mit denen sie sich versündigt haben, und soll sie dem Bock auf den Kopf legen und ihn durch einen Mann, der bereitsteht, in die Wüste bringen lassen, 22 dass also der Bock alle ihre Missetat auf sich nehme und in die Wildnis trage; und man schicke ihn in die Wüste.

19 Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! 21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. (2. Kor 5,19-21)


Ich führte den Gedanken aus, dass sich Jesus für uns zum Sündenbock macht, so dass wir keine Sündenböcke mehr suchen müssen. Das ist aber nicht mit einem Opfer für Gott zu verwechseln, der dadurch gnädig gestimmt werden soll. Vielmehr gilt der schon vormittags geäußerte Wunsch des Paulus: Lasst euch versöhnen mit Gott! Nicht Gott hat ein Problem mit uns Menschen, sondern wir Menschen haben ein Problem mit Gott. 

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