Sonntag, 31. Oktober 2021

Reformationstag

31. Oktober 2021


Wochenspruch

Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1. Kor 3, 11)

Seit 2017 feiern die christlichen Gemeinden in Meppen die Reformationsgottesdienste gemeinsam - linksseitig der Ems die reformierte Kirchengemeinde, St. Maria zum Frieden und die Bethlehemgemeinde, rechtsseitig der Ems St. Paulus und die Propstei, die Baptisten und die Gustav-Adolf-Kirchengemeinde. Zahlreiche Christen aus den beteiligten Gemeinden treffen sich, um zu singen, zu beten und um Gottes Wort zu hören.

In diesem Jahr traf man sich diesseitig der Ems in der Propsteikirche. Propst Günter Bültel hatte den Gottesdienst vorbereitet. 

Musikalische Einstimmung:
„Ein feste Burg ist unser Gott“


Begrüßung

„Einen anderen Grund kann niemand legen, als der, der gelegt ist, das ist Jesus Christus.“ Ich begrüße Sie herzlich zum ökumenischen Gottesdienst am Reformationsfest. Der 31. Oktober 1517, der Tag, an dem Martin Luther die 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirchentür geheftet hat, liegt weit zurück. Was kam danach? Es folgten turbulente Jahre der Auseinandersetzung, Disputationen und Verhöre, Verbrennung von Büchern und vieles mehr. Vor 500 Jahren fand der Reichstag zu Worms statt. Luther hat damals trotz großem Druck seine Thesen nicht widerrufen, sondern sich zu Christus, zur Heiligen Schrift und zu seinem Gewissen bekannt: Allein Christus, allein Gottes Gnade, allein das Wort und der Glaube sollen gelten.

Aber Martin Luther hat auch gezweifelt. Nicht immer war er felsenfest davon überzeugt, richtig zu handeln. Er war hin- und hergerissen zwischen Glaube und Zweifel. Dann hat ihm geholfen, sich an seine Taufe zu erinnern: als er Gottes Versprechen bekam und mit dem Namen des Dreieinigen Gottes gesegnet wurde.

Wohl denen, die da wandeln I-V

Gebet 

Barmherziger und gnädiger Gott,
du segnest uns auf unseren Wegen.
Du bist unsere Zukunft,
und du lässt uns die Seligkeit finden,
zu der du uns berufen hast.
Geh mit auf unserem Weg,
wohin er uns auch führt.
Wir wollen auf dich hören.
Auch jetzt in diesem Gottesdienst. Amen.


Evangelium: Mt 5,1-2.4-9

Als Jesus das Volk sah, ging er auf einen Berg. Und er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Vertraut den neuen Wegen I-III


Galater 5,1.5.6 „Zur Freiheit hat euch Christus befreit“

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die wir hoffen. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.

Predigt

Liebe ökumenische Festgemeinde!

500 Jahre ist es jetzt her, dass Martin Luther der Satz zugeschrieben wurde: “Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen.” Mit diesem Satz schloss der schriftliche Bericht über Luthers Rede vor Kaiser und Reichstag am 18. April 1521 in Worms, in der er begründete, warum er seine Schriften nicht widerrufen konnte. Heute wissen wir, dass diese Worte beim mündlichen Vortrag nicht fielen. Aber darauf kommt es jetzt letztendlich nicht an. Denn Luthers Standhaftigkeit gründete auf etwas ganz anderem als auf diesem etwas trotzigem “Hier stehe ich!” Luther begründete seine Weigerung zu widerrufen so: 

“… wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde, denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, dass sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!”

Drei Stichworte sind es, die Luther hier anführt und die in meinen Augen bis heute von ihrer Aktualität und Dringlichkeit nichts verloren haben. 

Als erstes nennt Luther das Zeugnis der Heiligen Schrift des Ersten und des Zweiten Testaments, Gottes Bund mit seinem auserwählten Volk Israel und Gottes Bund in seinem Sohn Jesus Christus mit der ganzen Welt. An diesem Zeugnis muss sich alles messen lassen. 

Jetzt wird der eine oder andere denken: Wie viele verschiedene Aspekte der Bibelauslegung gibt es denn? Wenn wir gemeinsam einen Bibeltext lesen, dann legt ihn doch jeder auf seine Weise aus. Das ist richtig. Deshalb ist es wichtig, auf den zweiten Punkt zu achten, den Luther anführt, das ist die Vernunft. Auch das Gespräch über die Religion, über die Theologie muss von Vernunft geprägt sein. 

Drei Punkte müssen wir glauben: 

Gott Vater, Schöpfer des Himmels und der Erden
Gott Sohn, gestorben und auferstanden von den Toten
Gott Heiliger Geist, Kraft, die uns immer wieder bewegt 

Alles andere muss sich der vernünftigen Diskussion stellen. 

Und schließlich spricht Luther das Gewissen an, unsere innere Stimme, vielleicht auch der göttliche Funke in uns, unser Mitwissen um Gottes Willen. Das Gewissen wird geprägt und gefangen, wie Luther es sagt, durch die vernünftige Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes. Und gegen die so an Gottes Wort gebundene Stimme des Gewissen solle man nicht handeln, davon war der Reformator überzeugt. 

Wenn wir uns fragen, warum die gemeinsame Verständigung damals - und manches Mal bis heute - so schwierig war und ist, dann müssen wir noch einen Moment bei der Reformationszeit bleiben. Kaiser Karl V antwortete am 19. April Martin Luther mit einem eigenen Bekenntnis. 

Er berief sich auf seine “Abstammung von den allerchristlichsten Kaisern der edlen deutschen Nation, von den katholischen Königen Spaniens, den Erzherzögen Österreichs, den Herzögen von Burgund …” Und dann argumentiert Karl: “Es ist gewiss, dass ein einzelner Bruder irrt mit seiner Meinung, die gegen die ganze Christenheit steht …“ Der Kaiser orientierte sich also nicht am Inhalt sondern an äußerlichen Gegebenheiten. Und so wollte er gegen Luther “vorgehen wie gegen einen notorischen Häretiker …”

Das Ende seines Lebens verbrachte Karl im Kloster Yuste in Spanien. Hier ist ein bemerkenswertes Gespräch mit den Mönchen überliefert. Karl erklärt, warum er nicht auf die Ketzer, wie er die Lutheraner nannte, eingehen wollte. ‚Was dann', sagt er zu den Mönchen, ‚wenn durch Zufall ein falsches Argument jener Ketzer in meinem Denken haften bleibt? Wer ist denn stark genug, es mir wieder aus der Seele zu reißen? So wollte ich sie nicht anhören …

Hier wurde das Gespräch, der Austausch verwehrt - aus angstbesetzten Gründen. Einen Brief, den Luther dem Kaiser nach dem Reichstag schrieb, nahm Karl nicht an. Er soll den Brief ungelesen zerrissen haben.

Es ist ja heute keineswegs so, dass zwischen unseren Konfessionen alle theologischen Fragen gelöst sind. Zwischen Katholiken und Evangelischen ist die Amtsfrage offen, das Verständnis, was Kirche Jesu Christi sei. Innerevangelisch gibt es unterschiedliche Auffassungen, wenn wir über unser Tauf- und Abendmahlsverständnis sprechen - und genau diese Fragen sind dann auch wieder im Gespräch evangelisch - katholisch kontrovers. 

Aber das ist der Unterschied: Wir gestehen einander zu, dass wir unseren christlichen Glauben leben und bezeugen wollen, dass Gottes Segen auf unseren auch unterschiedlichen Gemeinden ruht. Unsere unterschiedlichen Positionen sind ein Gesprächsangebot für Menschen, die sich mit dem Glauben auseinandersetzen wollen und deren Gewissen sich bilden soll. Ich denke, dass die Zeiten vorbei sind, wo von oben verordnet werden konnte, was richtig und was falsch ist. Die Antworten heute müssen im Gespräch gesucht werden und jeder einzelne Gläubige muss die Antworten für sich finden, so wie wir das Glaubensbekenntnis zwar gemeinsam sprechen, aber doch jeder für sich bekennt: Ich glaube ... Und manches Mal werden wir auch damit leben müssen, dass es verschiedene Antworten gibt. 

Die Gesichtspunkte, die Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms vor 500 Jahren vortrug - das Zeugnis der Heiligen Schrift mit Vernunft ins Gespräch bringen und dem so geprägten Gewissen Raum geben, das menschliche Handeln zu bestimmen, diese Aspekte sind in meinen Augen auch heute geeignet, Menschen auf den christlichen Glauben hin anzusprechen. Letztens stieß ich auf die Forderung des Wiener Systematikers Ulrich Körtner, die er im Anklang an den Heidelberger Katechismus von der Evangelische Kirche richtete, dass sie Antworten geben muss auf die Frage, was nach christlicher Überzeugung der einzige Trost im Leben und im Sterben ist. Damit nimmt Körtner genau Luthers Anliegen auf, dem es darum ging, dass die Menschen wieder Vertrauen zu Gott fassen konnten. 

Was aber könnte dieser Trost im Leben und im Sterben sein? Ich habe es oben bereits als einen zentralen Glaubenssatz angesprochen. Zuallererst ist da unsere Hoffnung zu nennen, unsere Glaubensgewissheit, dass Gott seinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt hat zum ewigen Leben. Damit hat der Tod und all seine Helfershelfer ein für alle Mal seinen Schrecken verloren. Nicht der Tod behält das letzte Wort, sondern Gott!

Unter dem Eindruck dieser Erfahrung formulierte Paulus seine Botschaft, die Martin Luther wieder neu entdeckte. In der Lesung aus dem Galaterbrief hörten wir vorhin: Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Der Apostel Paulus hatte in seiner Begegnung mit dem auferstandenen Christus vor Damaskus erlebt, dass es vor Gott nicht auf erbrachte Leistungen ankommt, sondern auf den Glauben, auf das Vertrauen, dass Gott uns annimmt. Das gilt auch und gerade heute in unserer so leistungsbezogenen Gesellschaft. 

Von dieser christlichen Freiheit fühlte sich Martin Luther beseelt. 1520 fasste er seine Gedanken dazu in der Schrift zusammen “Von der Freiheit eines Christenmenschen”. Geradezu als Vorzeichen seiner ganzen Überlegungen schrieb er gleich zu Beginn seines Buches die beiden berühmten Sätze über die Freiheit: 

Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge 
und niemandem untertan. 
Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge 
und jedermann untertan. 

In dieser Haltung trat Luther ein Jahr später auch vor den Kaiser. Frei, in Glaubensfragen niemand untertan, aber auch bereit, seine Schriften zu widerrufen, wenn er durch die Heilige Schrift und die Vernunft widerlegt würde. 

Paulus schreibt dann weiter im Brief an die Galater: “Wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die wir hoffen. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.” Die ersten christlichen Gemeinden rekrutierten sich natürlich aus der jüdischen Gemeinde, wo die Beschneidung des männlichen Glieds das äußerliche Zeichen für die Zugehörigkeit zum Bund mit Gott war. Nun forderten nicht wenige, dass sich auch die Heiden beschneiden lassen müssten, bevor sie in die christliche Gemeinde aufgenommen werden könnten. Genau dem widersprach Paulus - wie später Luther im Blick auf die Werke, die für die Seligkeit erforderlich seien. Es kommt vor Gott nicht darauf an, bestimmte Gesetze zu erfüllen. Es kommt vielmehr auf den Glauben an, auf das Vertrauen zu Gott. Und dieser Glaube drängt geradezu zur tätigen Nächstenliebe. Nichts anderes sagen Luthers Sätze von der Freiheit eines Christenmenschen: Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan und gleichzeitig ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan. 

Weil diese biblische Botschaft für mich so hochaktuell ist, empfand ich es als höchst bedauerlich, dass im Frühjahr der 18. April als Gedenktag an Luthers Bekenntnis auf dem Reichstag zu Worms derart unterging. Gut, die Kirchen konnten sich damit entschuldigen, dass Bundespräsident Frank Walter Steinmeier das Gedenken an die Opfer der Corona-Pandemie für den 18. April ansetzte, ohne das Datum mit den kirchlichen Vertretern zu kommunizieren; diese allerdings hatten ihrerseits auch nicht die politischen Vertreter in die durchaus vorhandenen Überlegungen zu einem Reformationsjubiläum am 18. April mit einbezogen. Der 31. Oktober heute wäre für unsere Kirchen eine weitere Option gewesen, an den Wormser Reichstag deutschlandweit zu erinnern. Aber die EKD schweigt und lässt auch diesen Termin verstreichen. Es ist mir ein Rätsel. 

Martin Luther war bereit gewesen, sich einer Diskussion zu stellen. Seine Leitsätze können uns auch heute noch beflügeln. Sein Auftreten auf dem Reichstag war wegweisend - und ich denke, die Reformation und wohl auch die Geschichte hätte einen anderen Verlauf genommen, wäre Luther damals nicht nach Worms gegangen. Das tat er allerdings nicht um seiner Selbst willen. Ihm ging es um den Glauben an Gott, um das, was tatsächlich Trost gibt im Leben und im Sterben. 

So will ich jetzt mit dem Satz des Apostels Paulus schließen, mit dem Propst Bültel diesen Gottesdienst eröffnete: „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, das ist Jesus Christus.“

Ich glaube an den Vater I-IV 


Fürbitten

Wenn wir uns in diesem Jahr an die Reformation erinnern, geschieht dies immer noch in einer Zeit der globalen Pandemie. Gemeinsam mit der ökumenischen Weltgemeinschaft bringen wir unsere Gebete vor Gott:

Gott, deine Güte überdauert den Lauf der Weltgeschichte. Öffne die Herzen aller Menschen, um die verbindende Kraft der Gemeinschaft zu entdecken. Zeige uns deine beständige Güte und ewige Gnade.

Erhöre unser Gebet!

Gott, wir bitten dich für die Menschen in Verfolgung. Wegen ihrer Hautfarbe oder wegen ihres Glaubens sind sie auf der Flucht. Lass sie Schutz finden. Sie sollen ankommen und sicher sein.

Erhöre unser Gebet!

Gott, wir bitten dich für Menschen im Gefängnis. Dein recht ist stärker als Mauern und Gitter. Hilf ihnen, wenn sie bleiben müssen. Lass sie aufrecht gehen. Schenke ihnen Menschen zur Seite, stärke sie.

Erhöre unser ‚Gebet!

Gott, wir bitten dich für Menschen mit seelischen Erkrankungen, gerade jetzt nach der langen Zeit der Pandemie. Ganz besonders für die Kinder und die alten Menschen. Deine Hoffnung und deine Liebe sind groß. Schenke ihnen Geborgenheit.

Erhöre unser Gebet!

Gott, wir bitten dich für deine Schöpfung: Sie seufzt voller Erwartung. Verwandle und vergib uns, wenn wir diese Welt ausbeuten. Lehr uns, in Harmonie mit deiner Schöpfung zu leben.

Erhöre unser Gebet!

Gott, hilf uns. Du siehst unser Herz und unsere Seele. Auf dich hoffen wir in Ewigkeit. Amen

Vater unser 


Gitarrenstück 


Sendung

Geht in die Welt, 
steht zu eurem Glauben,
erzählt von Gottes Liebe.
Schämt euch des Evangeliums von Christus nicht.
Denn es ist eine Kraft Gottes.
Sie macht alle selig, die daran glauben.
Selig seid ihr,
wenn Menschen um meinetwillen schlecht über euch reden.
Seid fröhlich und jubelt!
Es wird euch im Himmel reich belohnt werden.

Segen:

Gott der Herr segne und behüte euch.
Gott der Herr lasse leuchten sein Angesicht über euch und sei euch gnädig.
Gott der Herr erhebe sein Angesicht über euch und schenke euch Frieden.
Das gewähre Euch der dreieinige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Gehet hin in Frieden.

Komm Herr, segne uns. I-IV


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Reformationstag unter der Nummer 954.68. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Montag, 25. Oktober 2021

19. Sonntag nach Trinitatis

Nachtrag zum 10. Oktober 2021

Evangelischen Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte für den 19. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.63. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen. (Jer 17, 14)

Wochenlieder:

  • Ich singe dir mit Herz und Mund (EG 324)
  • Da wohnt ein Sehnen tief in uns (Singt Jubilate 128 / fT 25 oder LPfG 24)

Lieder für den Gottesdienst

  • 449,1-3+6 Die güldne Sonne
  • 320,1-4 Nun lasst uns Gott dem Herren
  • 364,1-4 Was mein Gott will, gescheh allzeit
  • 430,1-4 Gib Frieden, Herr, gib Frieden

717 - Psalm 32

Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind,
dem die Sünde bedeckt ist!
2 Wohl dem Menschen, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet,
in dessen Geist kein Trug ist!
3 Denn als ich es wollte verschweigen,
verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen.
4 Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir,
dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird..
5 Darum bekannte ich dir meine Sünde,
und meine Schuld verhehlte ich nicht.
Ich sprach: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen.
Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde.
6 Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten
zur Zeit der Angst.
Darum, wenn große Wasserfluten kommen,
werden sie nicht an sie gelangen.
7 Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten,
dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann.
11 Freuet euch des HERRN und seid fröhlich, ihr Gerechten,
und jauchzet, alle ihr Frommen.
 

Evangelium Mk 2, 1-12

Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war. 2 Und es versammelten sich viele, so dass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort. 3 Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen. 4 Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. 5 Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. 

6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: 7 Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? 

8 Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? 9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? 10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden - sprach er zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! 12 Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, so dass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.

Predigt 1.Mose 9,12-17

Ging es Ihnen vorhin auch so, liebe Gemeinde, als wir den Psalm beteten, dass Sie stuzten? Der Wochenspruch für diesen Sonntag lautet doch: "Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen." (Jer 17,14) Aber im Psalm war immer wieder die Rede von der Sünde. 

Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist!
Ich bekannte … dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht.
Ich sprach: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen.
Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde.

Warum wurde ausgerechnet dieser Psalm für diesen Sonntag ausgesucht? Gibt es keine anderen, in denen der Beter Gott für die erfolgte Krankenheilung dankt? Doch, die gibt es, aber auch hier wird ein Zusammenhang zwischen Krankheit und Sünde hergestellt. 

Dann dämmerte es mir langsam. Auch im Evangelium kam dieser Gedanke auf. Vordergründig wird von der Krankenheilung in Kapernaum erzählt. Aber der entscheidende Abschnitt in diesem Text lautet: “Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.”

Jetzt wollte ich es wissen. Kam dieser Gedanke auch in den anderen Texten des Sonntags vor? Ja, in jedem der 6 Texte für diesen Sonntag ist von der Sünde die Rede. 

Dem Menschen, den Jesus am See Betesda in Jerusalem nach 38 jähriger Krankheit heilt, dem sagt er: “Siehe, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, dass dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre.” (Joh 5,14)

Im Epheserbrief fordert der Apostel seine Zuhörer auf: “22 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. … 26 Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen, 27 und gebt nicht Raum dem Teufel.” (Eph 4)

Die dritte biblische Lesung stammt aus dem Buch des Propheten Jesaja. König Hiskia dankt Gott für die Rettung aus tödlicher Krankheit. Auch hier findet sich der Hinweis auf die Sünde: “Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.” (Jes 38,17)

Und im Jakobusbrief heißt es: “Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.” (Jak 5,16)

Und auch im letzten Text aus dem 2. Buch Mose kommt das Stichwort “Sünde” vor: “Hab ich, HERR, Gnade vor deinen Augen gefunden, so gehe der Herr in unserer Mitte, denn es ist ein halsstarriges Volk; und vergib uns unsere Missetat und Sünde und lass uns dein Erbbesitz sein.” (2. Mose 34,9)

Wie sollen wir nun Krankheit, Heilung und Sünde zusammendenken, liebe Gemeinde? Ist eine Krankheit tatsächlich eine Strafe für unsere Sünden, wie es früher immer wieder gesagt wurde? Auch heute taucht in Gesprächen immer wieder einmal die Frage auf: “Was habe ich nur verbrochen, Herr Pastor, dass ich so krank bin?” 

Diese Frage hat Jesus selbst beantwortet. Bei Lukas wird erzählt, dass 18 Menschen erschlagen wurden, als in Siloah ein Turm einstürzte. Offensichtlich wurde auch hier nach einem Zusammenhang mit Schuld gefragt. Jesus erklärte dazu: “... meint ihr, dass die achtzehn ... schuldiger gewesen seien als alle andern Menschen, die in Jerusalem wohnen? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen.”

Damit ist die Perspektive beschrieben, unter der wir Krankheit, Unglück, Tod und vieles mehr betrachten müssen. Es geht also nicht um Schuldzuweisung, es geht ihm um Umkehr, um Hinwendung zu Gott. Und dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Bibel. 

Doch bevor wir von dieser Hinwendung sprechen, müssen wir die Sünde in den Blick nehmen, die uns von Gott trennt. Um zu verstehen, was gemeint ist, fangen wir am besten bei Adam und Eva an. Sie erinnern sich, was Gott den beiden gesagt hatte: “Ihr dürft alles essen und gebrauchen, nur vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollt ihr nicht essen und auch nicht vom Baum des Lebens. Ihr werdet sonst sterben.” Sie erinnert sich auch, was die Schlange den Menschen einflüsterte: “Wenn ihr vom Baum der Erkenntnis esst, werdet ihr sein wie Gott!” 

Das war eine phantastische Aussicht - sein wie Gott! Eigene Entscheidungen fällen, nicht immer auf den Übervater Gott hören. Nachdem Gott die Übertretung seines Gebotes bemerkte, muss er feststellen: “Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist.” (Gen 3,22) Doch dieses Wissen hilft dem Menschen nichts. Kaum hatte das Leben außerhalb des Paradieses begonnen, da tötet Kain seinen Bruder Abel, weil er eifersüchtig ist. Und obwohl Gott ihn vor der Tat anspricht, ist Kain nicht fähig, noch einmal über sein Vorhaben nachzudenken. Gottes Wort, ihr werdet sterben, erfüllt sich auf ganz andere Weise als gedacht. Es ist keine Strafe, sondern eine Folge menschlichen Tuns. Mord und Totschlag gehen weiter bis Gott die Sintflut schickt.

Auch wenn es merkwürdig erscheint, mit dem, was ich gerade gesagt habe, sind wir in meinen Augen in der Gegenwart angekommen. “Sein wollen wie Gott”, leben und wirtschaften, ohne nach Gott zu fragen; Religion ist - wenn man dafür überhaupt noch ein Gespür hat - bestenfalls Privatsache, hat aber mit dem tatsächlichen Leben nichts zu tun. Wird diese Haltung uns nicht allenthalben vor Augen geführt, liebe Gemeinde? Ist es nicht genau diese Hybris, diese menschliche Überheblichkeit, die für viele Unglücke, für Katastrophen in unserer Welt verantwortlich ist? 

Wenn wir an den steigenden Meeresspiegel, an die schmelzenden Polkappen denken, dann wird deutlich, was ich meine. Die seriösen Wissenschaftler sind sich einig, dass dies eine Folge des menschenverursachten Klimawandels ist. Sintflut. Obwohl wir wissen, was gut und was böse ist, tun wir nicht das Gute, das Richtige! Und auch das wissen wir, dass Angst und Sorgen und prekäre Verhältnisse einen richtig krank machen können! Das ist keine Strafe Gottes, sondern Folge unseres menschlichen Tuns. 

Vieles lässt sich auf diese Weise erklären, aber natürlich nicht alles. Vulkanausbruch, Erdbeben. Auch hier gilt: Nicht jede Krankheit. Und auch der Tod als Ende unseres Lebens ist eine natürliche Gegebenheit, sonst hätte Gott Adam und Eva nicht gesagt, sie sollten nicht vom Baum des Lebens essen. Der Tod kann allerdings mit Angst und Schrecken verbunden sein, wenn wir ihn als das große Aus, Vorbei, Nichts verstehen, wenn wir nicht mit uns selbst, mit unseren Nächsten und mit Gott im Reinen sind. 

Es gibt tatsächlich noch einen weiteren Text für diesen 19. Sonntag nach Trinitatis, der uns Mut machen kann. Er gehört mal wieder zu den Marginaltexten, zu denen, die am Rande stehen, offensichtlich nicht so wichtig sind. Es geht um das Ende der Sintflut und um das, was Gott seinen Menschen sagt:

12 Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: 13 Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. 14 Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. 15 Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe. 16 Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist. 17 Und Gott sagte zu Noah: Das sei das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch auf Erden.

Gott hat seinen Frieden mit uns Menschen geschlossen. Von ihm wird der Untergang der Welt nicht ausgehen. Vor Gott müssen wir uns nicht fürchten. Gott ist bereit, Übertretungen zu vergeben und die Sünde zu bedecken. Gott beschönigt nichts - alles nicht so schlimm -, aber er ist es auch nicht, der für das verantwortlich ist, was kommt, der uns womöglich straft, wie es manchmal in besonders frommen Kreisen heißt. 

"Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen." Zu dieser Gesundung gehört also zuerst, dass wir uns zu Gott wenden, dass wir wieder nach ihm und seinem Wort fragen und Leben - und dann wird vielleicht auch manche Krankheit wieder verschwinden. 

Gottes Regenbogen in den Wolken ist das Zeichen, das uns Hoffnung machen will. 

Samstag, 2. Oktober 2021

Erntedank

3. Oktober 2021

Nach langer Zeit melde ich mich auf dieser Seite wieder. Hinter mir liegen einige Wochen Urlaub und Vertretungszeiten, in denen ich nicht dazu kam, hier im Predigtblog etwas einzustellen. Ich hoffe, das wir jetzt wieder anders. 

Evangelischen Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Erntedanktag unter der Nummer 954.62. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. (Ps 145, 15)

Wochenlieder:

  • Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit (EG 502)
  • Auf, Seele, Gott zu loben (freiTöne 66)

Lieder für den Gottesdienst

  • Lied 447,1-3+10 - Lobet den Herren alle, die ihn ehren
  • Lied 505,1-4 - Die Ernt ist nun zu Ende
  • Lied 502,1+2+5 Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit

Psalm 104 - EG 743 - Herr, die Erde ist voll deiner Güter

1 Lobe den HERRN, meine Seele!
HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich;
du bist schön und prächtig geschmückt.
2 Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich;
5 der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden,
dass es bleibt immer und ewiglich.
13 Du feuchtest die Berge von oben her,
du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.
14 Du lässest Gras wachsen für das Vieh
und Saat zu Nutz den Menschen,
dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
15 dass der Wein erfreue des Menschen Herz
und sein Antlitz schön werde vom Öl
und das Brot des Menschen Herz stärke.
24 HERR, wie sind deine Werke so groß und viel!
Du hast sie alle weise geordnet, 
und die Erde ist voll deiner Güter.
27 Es warten alle auf dich,
dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.
28 Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie;
wenn du deine Hand auftust,
so werden sie mit Gutem gesättigt.
29 Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;
nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.
30 Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,
und du machst neu die Gestalt der Erde.
31 Die Herrlichkeit des HERRN bleibe ewiglich,
der HERR freue sich seiner Werke!
Lobe den HERRN, meine Seele! Halleluja!

Evangelium Lk 12,15-21 - Niemand lebt davon, dass er viele Güter hat ...

15 Jesus sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.

16 Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. 17 Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. 18 Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte 19 und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! 20 Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? 

21 So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.

Predigt über 5. Mose 8,7-18 - Gott ist's, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen

Israel war in Ägypten, in der Sklaverei, nun ist man am Sinai, am Berg Gottes

7 Denn der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, 

  • ein Land, darin Bäche und Brunnen und Seen sind, die an den Bergen und in den Auen fließen, 
  • 8 ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, 
  • ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt, 
  • 9 ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, 
  • ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust. 

Vierte Bitte im Vaterunser - Unser täglich Brot gib uns heute …

Was heißt denn tägliches Brot? 

Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.

10 Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat.

Paulus im Brief an die Kolosser: Und seid dankbar. Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen. Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesu und dankt Gott, dem Vater, durch ihn. 

11 So hüte dich nun davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen, sodass du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst. 

Keinen anderen Gott als den Gott Abrahams, Isaaks, Jakobs, den Vater Jesu Christi
Gottes Namen nicht missbrauchen
Den Feiertag heiligen
Vater und Mutter ehren, die Familie achten
Nicht töten
Nicht ehebrechen
Nicht stehlen
Nicht falsch Zeugnis reden, keine Lügen in die Welt setzen, bei der Wahrheit bleiben
Nicht begehren, dem anderen gönnen, was sein ist

12 Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst 13 und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt, 

Überschrift: Gott ist's, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen - Die Bibel hat hier nicht allein das vor Augen, was Menschen für das tägliche Brot brauchen, hier wird auch gedacht, dass sich Besitz vermehren darf - das ist in Gottes Augen nicht verwerflich.

14 dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergisst, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft, 

15 und dich geleitet hat durch die große und furchtbare Wüste, wo feurige Schlangen und Skorpione und lauter Dürre und kein Wasser war, und ließ dir Wasser aus dem harten Felsen hervorgehen 16 und speiste dich mit Manna in der Wüste, von dem deine Väter nichts gewusst haben, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit er dir hernach wohltäte. 

Kann denn so etwas in Vergessenheit geraten?

17 Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen. 

durch Erfindergeist - Wagemut - Weitblick - Engagement - Produktivität - Investitionen - Wirtschaftswunder - politische Klugheit, den Moment zu nutzen (heute ist auch der Tag der Deutschen Einheit) - ja, manches Mal auch auf Kosten anderer, aber wenn wir denen nichts abnehmen, wovon sollen die sonst leben - ja, manches Mal auch auf Kosten der Natur, aber der Markt wird das auch schon richten - ja, wir können stolz sein auf das, was wir erreicht haben.

Hüte dich davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen, sodass du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst.

18 Sondern gedenke an den HERRN, deinen Gott; denn er ist’s, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen, auf dass er hielte seinen Bund, den er deinen Vätern geschworen hat, so wie es heute ist.

Fürbitte

von der Seite der https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php

Wochengebet vom 3. Oktober 2021 - statt: "Herr erbarme dich" singen wir im Gottesdienst den Refrain von "Wir pflügen und wir streuen"

Samstag, 10. Juli 2021

6. Sonntag nach Trinitatis

11. Juli 2021

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 6. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.49. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr". Auf dieser Internetseite schreibt Manfred Senftleben zum Thema des Sonntags: "Am 6. Sonntag nach Trinitatis hören wir von der Taufe, dass wir durch sie zu Gottes Volk hinzuberufen sind. Die Taufe läßt uns teilhaben an dem Tod und der Auferstehung Jesu, und so haben wir auch Teil an dem wunderbaren Licht, das mit Jesus in diese Welt leuchtet."

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. (Jes 43,1)

Lieder im Gottesdienst

fT 15,1-3 - Und ein neuer Morgen
oder: fT 4 Eingeladen zum fest des Glaubens
Psalm 139 in Verbindung mit fT 91 Kehrvers Strophe 1 - vgl. Freitöne Seite 232
fT 132 Ich steh dazu
fT 45 Stimme, die Stein zerbricht
fT 177 Freunde dass der Mandelzweig

Psalm 139 (zusammen mit fT 91 Kehrvers)

1 HERR, du erforschest mich
und kennest mich.
2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;
du verstehst meine Gedanken von ferne.
3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich
und siehst alle meine Wege.
4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,
das du, HERR, nicht schon wüsstest.
5 Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.
6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,
ich kann sie nicht begreifen.
7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
8 Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
9 Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
10 so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.
11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken
und Nacht statt Licht um mich sein –,
12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.
 

Epistel Röm 6, 3-8

Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? 4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. 5 Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. 6 Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. 7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8 Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.

Predigttext Exodus 8

8 Die Israeliten waren unter der Macht einer starken Hand ausgezogen. 9 Und die Ägypter jagten ihnen nach mit Rossen, Wagen und ihren Männern und mit dem ganzen Heer des Pharao und holten sie ein, als sie sich gelagert hatten am Meer bei Pi-Hahirot vor Baal-Zefon.

10 Und als der Pharao nahe herankam, hoben die Israeliten ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem HERRN 11 und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast? 12 Haben wir’s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben. ...

15 Und der HERR sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sage den Israeliten, dass sie weiterziehen. 16 Du aber hebe deinen Stab auf und recke deine Hand über das Meer und teile es mitten durch, sodass die Israeliten auf dem Trockenen mitten durch das Meer gehen. 17 Siehe, ich will das Herz der Ägypter verstocken, dass sie hinter euch herziehen, und will meine Herrlichkeit erweisen an dem Pharao und aller seiner Macht, an seinen Wagen und Männern. 18 Und die Ägypter sollen innewerden, dass ich der HERR bin ...

21 Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken und die Wasser teilten sich. 22 Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. 23 Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Männer, mitten ins Meer. ...

26 Aber der HERR sprach zu Mose: Recke deine Hand aus über das Meer, dass das Wasser wiederkomme und herfalle über die Ägypter, über ihre Wagen und Männer. 27 Da reckte Mose seine Hand aus über das Meer, und das Meer kam gegen Morgen wieder in sein Bett, und die Ägypter flohen ihm entgegen. So stürzte der HERR sie mitten ins Meer. 28 Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Männer, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb. …

30 So errettete der HERR an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand. Und sie sahen die Ägypter tot am Ufer des Meeres liegen.

Predigt

Wir nähern uns dem nicht ganz einfachen Predigttext schrittweise. Er gehört zum 6. Sonntag nach Trinitatis, an dem wir uns an die Taufe erinnern, weil Gott die Israeliten durchs Wasser führte und errettet, wie er uns in der Taufe neues und ewiges Leben schenkt. 

Was mir allerdings schon als Kind nicht gefallen hat, ist der Erzählstrang, dass die Ägypter mit Ross und Wagen umkamen. Insbesondere die Pferde taten mir leid. Aber ich fand es faszinierend, dass Gott sein Volk Israel aus höchster Not rettet. Das würden wir uns heute auch so manches Mal in unserem Leben wünschen.

Doch damit ist der Text natürlich nicht erschöpfend gedeutet. Schauen wir zunächst auf die Ägypter. Was treibt sie an. Unter dem Eindruck der 10 Plagen hatten sie die Israeliten ziehen lassen. Sehr schnell allerdings merkten die Ägypter, dass ihnen die billigen Arbeitskräfte fehlten. Das ist ja bis heute so. Wo mehr bezahlt werden muss als zwingend erforderlich, da werden alternative, billigere Wege gesucht. Im Fall der Israeliten wollte der Pharao die Geflohenen zurückholen, wenn es sein musste, mit Gewalt. 

Da die Ägypter nur ihren Profit und ihren Gewinn, aber auch ihre Macht im Blick hatten, ignorierten sie die offenkundige Gefahr. Sie zogen sehenden Auges in den Untergang. Der Verstand, aber auch das Herz hätte ihnen sagen müssen, dass der wundersame Weg durchs Meer nicht für sie bestimmt sein konnte. Aber das blendeten sie aus. Zurückstecken war nicht ihre Sache. Und so kam zwangsläufig das Verderben. 

Wäre Mose nicht gewesen, der auf Gottes Zusage vertraute - und genau an dieser Stelle ist der Unterschied: Vertrauen auf Gott, Blick auf Gewinn und Macht - , die Ägypter hätten leichtes Spiel gehabt. Die Israeliten wären den alten Herren ohne viel Aufhebens gefolgt. “Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast?”, so halten sie es Mose vor. “Haben wir’s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.”

Da hätten sich dann die richtigen gefunden. Die einen, die billige Arbeitskräfte suchten, die anderen, die die Freiheit wohl verlockend fanden - versucht hatten sie es ja -, aber wenn sie dafür einen persönlichen Preis zahlen müssten, wenn sie kämpfen und dabei vielleicht sogar sterben müssten, so viel war ihnen die Freiheit dann doch nicht wert. Der Weg des geringsten Widerstands ist zwar nicht unbedingt schön und er genießt auch kein hohes Ansehen, aber dieser Weg ist bequem. Man bekommt gesagt, was zu tun ist, und man muss nicht allzuviel selber nachdenken und entscheiden. Und wenn dann der Magen noch gefüllt ist - die Fleischtöpfe Ägyptens sind sprichwörtlich geworden - was will man mehr. 

Gott will für sein Volk allerdings viel mehr - wie die Israeliten es sich in Ägypten gewünscht hatten, will Gott für sie Freiheit. Aus dem Sklavenhaus Ägypten will er sie in ein Land führen, wo Milch und Honig fließen. Letztendlich hat Gott auch uns das in der Taufe versprochen: Frei von der Macht der Sünde sollen wir unser Leben gestalten. Nur heißt Freiheit eben nicht, dass einem alles in den Schoß fällt. Und der Weg ins gelobte Land war durchaus ein langer Weg, ein steiniger Weg, auf dem manche Hindernisse überwunden werden mussten. So, wie das bei uns auch ist.

In der brenzligen Situation am Schilfmeer war es erst einmal das Gottvertrauen eines Mannes, der das Volk vor der erneuten Sklaverei bewahrte. Wäre Mose nicht gewesen, die Israeliten wären umgekehrt. Allein das Vertrauen dieses einen ermöglichte es den vielen, auf dem Weg in die Freiheit weiterzuziehen und nicht schon auf den ersten Metern zu scheitern. Am Berg Sinai angekommen bekannte das Volk unter dem Eindruck der Erlebnisse während der Wüstenwanderung auf der einen Seite einmütig: “Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun.” Auf der anderen Seite wichen sie sehr schnell vom eingeschlagenen Weg ab und bauten sich ihren eigenen Gott, das Goldene Kalb. “Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat!” So wankelmütig ist das menschliche Herz. 

Nur Gott hält an seinem Versprechen fest. Nachdem Israel die Zehn gebote empfangen hat, dauert es zwar 40 Jahre, bevor man ans versprochene Ziel gelangt, und von der Generation, die aus Ägypten aufbrach, betreten nur zwei das Gelobte Land - Josua und Kaleb - aber Gott erfüllt seine Verheißung und Israel kann das Land in Besitz nehmen, wie es den Vätern versprochen war. 

Was bedeutet das nun für uns? Heute am 6. Sonntag nach Trinitatis erinnern wir in der evangelischen Kirche an unsere Taufe, Jahr für Jahr übrigens. Mit Christus sind wir der Sünde gestorben, so erklärt es Paulus im Brief an die Römer. Die Sünde hat keine Macht mehr über unser. Wir haben es nicht mehr nötig, allein auf Gewinn, Profit oder Macht - und was sonst noch zu diesem Themenkreis gehört - zu schielen. Gott hat uns in der Taufe ein Leben in Freiheit geschenkt. Das ist zwar kein Weg, so habe ich es eingangs ja auch schon gesagt, auf dem uns alles in den Schoß fällt, aber Gott hat uns alles gegeben, was wir brauchen, um unseren Weg in der Welt zu gehen.

Er hat uns einen Verstand - und auch ein Herz - gegeben, damit wir Situationen erkennen und Gefahren einschätzen können. Er hat uns seine Gebote gegeben - das verbindet uns mit seinem ersterwählten Volk, den Israeliten - er hat uns seine Gebote gegeben, an denen wir uns orientieren und das leben ausrichten können. Und Gott hat uns seinen Sohn gegeben. Mit seinem Leben zeigt uns Jesus, wie Leben in der Gemeinschaft mit den Schwachen gelingen kann. Mit seinem Tod zeigt er, wohin Fanatismus und politische und militärische Gewalt führen - eben in den Tod. Jedoch mit seiner Auferstehung zeigt er, dass nicht der Tod und all seine Helfershelfer das letzte Wort behalten, sondern dass dieses letzte Wort allein bei Gott liegt, der das Leben in Freiheit für jeden Menschen will. 

Wir sind zwar im Augenblick meilenweit davon entfernt, dass wir diesen Weg der Freiheit für jeden Menschen gehen, aber warum sollen wir nicht dem Beispiel des Mose folgen, der auf Gottes Wort vertraute und sein Volk in die Freiheit führte. Auf diesem Weg liegt Gottes Segen. Der Weg der Ägypter in den selbstverschuldeten Untergang sollte uns eine eindeutige Mahnung sein. 

Mittwoch, 7. Juli 2021

Partnerschaftsgottesdienst 2021

Nachtrag zum 6. Juni 2021 - 1. Sonntag nach Trinitatis

Traditionell feiern wir am ersten Sonntag im Juni einen Gottesdienst, wo die Partnerschaft mit der lutherischen Kirchengemeinde in Chemchem / Tansania im Mittelpunkt steht. Der Gottesdienst wird abwechselnd in Deutschland und in Tansania vorbereitet und findet dann mehr oder weniger zeitgleich statt. In diesem Jahr kam die Vorlage von unseren Partner in Tansania. 

Gottesdienst bei YouTube

Lieder

  • EG 165 Vers 1 mit Orgel: Mungu yupo hapa
  • fT 72 Ich sing dir mein Lied
  • Let the heaven….
  • Tembea na Yesu
  • Möge die Straße ...

Das neue Partnerschaftssymbol in der Gustav-Adolf-Kirche

Partnerschaftsdreieck
gif-Animation - Das Bild wechselt alle 5 sec

Das Dreieck steht für:
Trinität – Dreifaltigkeit –
Gott, Jesus, Heiliger Geist

Die AMANI-Kirchengemeinde in ChemChem liegt an dem Fluss Mto-Bubu, 
der in der Regenzeit über die Ufer tritt, meist jedoch ausgetrocknet ist.

Die Gustav-Adolf-Kirchengemeinde in Meppen liegt an der Ems,
die immer genügend Wasser hat.

Im oberen Teil des Dreiecks sind beide „Flüsse“ miteinander verwoben,
so wie wir in unserem Glauben an Gott, an Jesus und an den Heiligen Geist 
miteinander verwoben sind – 
und bilden somit den Stamm des Kreuzes.

Der Querbalken des Kreuzes – 
dem Zeichen, das uns im Glauben vereint – 
symbolisiert mit Schwarz und Weiß unsere Hautfarben.

Die Verbundenheit im Glauben 
wird in dem Logo unserer Gemeindepartnerschaft zusammengefasst.

Unsere Gemeindepartnerschaft ist ein Teil der 
Kirchenkreis-Partnerschaft EmBeKo (Emsland-Bentheim-Kondoa) 
mit dem Ev.-luth. Missionskreis Kondoa, Tansania, 
deren Grundsatz aus drei Säulen besteht:

Glauben teilen 
Leben teilen 
Talente teilen

Partnerschaftsdreieck in der Gustav-Adolf-Kirche
Partnerschaftsdreieck in der Gustav-Adolf-Kirche

Texte

Grußwort aus Tansania

Liebe Schwestern und Brüder im Kirchenkreis Emsland-Bentheim.

Hier in Kondoa geht es uns gut und wir genießen unseren Alltag mit großer Hoffnung auf Gottes Schutz.

Die Welt ist im Aufruhr wegen Pandemieerkrankungen wie Covid 19, die vor allem die Menschen auf der Welt erschrecken. ... Wir als Christen müssen antworten von Gott, unserem Schöpfer, suchen. … Wir hören nicht auf, national und weltweit für unsere Familien und deren Gesundheit zu beten.

Wir sind unserem Herrgott so dankbar, der uns alle in der Kondoa Lutherischen Kirche und der Lutherischen Kirche Emsland-Bentheim mehr als dreißig Jahren in der Zusammenarbeit begleitet hat. ...

Derzeit befinden wir uns in der Endphase der Vorbereitungen zur Bohrung des Brunnens auf dem EmBeKo Diaconic Center, in Zusammenarbeit mit Euch entwickelt. Es fand statt unter der Leitung beider Kirchenkreise und durch die Bemühungen von Partnerschaftsbeauftragten, darunter die Vorsitzende Margarete Pradel.

Wir bitten alle Mitglieder in unserer Partnerschaft, für dieses Projekt zu beten, um die schnellen Veränderungen im Fortschritt für die Menschen in Embeko und Umgebung zu erleichtern. …

Liebe christliche Familienmitglieder in Deutschland, wir wünschen Euch alles Gute und ein friedliches Leben und Gottes Segen bei der Feier unseres Partnerschaftssonntags. Wir senden Euch die Fotos nach dem Sonntagsgottesdienst zu.

Der Friede unseres Herrn sei mit euch allen.

Vielen Dank
Mit freundlichen Grüßen
Stanley Tabulu - DistrictPastor ELCT Kondoa.
(Übersetzung Marga Pradel)

Psalm 78,5-16

5 Er richtete ein Zeugnis auf in Jakob
und gab ein Gesetz in Israel
und gebot unseren Vätern,
es ihre Kinder zu lehren,
6 auf dass es die Nachkommen
lernten, die Kinder, die noch geboren würden; 
die sollten aufstehen und es auch ihren
Kindern verkündigen,
7 dass sie setzten auf Gott ihre Hoffnung /
und nicht vergäßen die Taten Gottes, sondern seine Gebote hielten
8 und nicht würden wie ihre Väter,
ein abtrünniges und ungehorsames Geschlecht,
dessen Herz nicht fest war
und dessen Geist sich nicht treu an Gott hielt,
9 wie die Söhne Ephraim, die den Bogen führten, abfielen zur Zeit des Streits.
10 sie hielten den Bund Gottes nicht
und wollten nicht in seinem Gesetz wandeln
11 und vergaßen seine Taten und seine Wunder,
die er sie hatte sehen lassen.

Swahili

5 Maana alikaza ushuhuda katika Yakobo, 
Na sheria aliiweka katika Israeli.
Aliyowaamuru baba zetu
Wawajulishe wana wao,
6 Ili kizazi kingine wawe na
habari, Ndio hao wana
watakaozaliwa. Wasimame na
kuwaambia wana wao
7 Wamwekee Mungu tumaini lao. 
Wala wasiyasahau matendo ya Mungu, 
Bali wazishike amri zake.
8 Naam, wasiwe kama baba zao, 
Kizazi cha ukaidi na uasi.
Kizazi kisichojitengeneza moyo, 
Wala roho yake haikuwa amini kwa Mungu.
9 Wale Waefraimu, wenye silaha, 
wapiga upinde, Walirudi nyuma siku ya vita.
10 Hawakulishika agano la Mungu; 
Wakakataa kuenenda katika sheria yake;
11 Wakayasahau matendo yake, 
Na mambo yake ya ajabu aliyowaonyesha.

Lesung und Predigttext: Lukas 16,19-31 - Der arme Lazarus und der Reiche - Ideen zur Predigt

Als der Reiche sich in der "Hölle" wiederfindet, bittet er Abraham, in dessen Schoß Lazarus sitzt (hier Bild für den Himmel): "... So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual."

Der Reiche will seine Brüder vor seinem Schicksal bewahren. Wenn sie nicht die Hölle erleben wollen, müssen sie ihr Leben ändern, müssen sie umkehren!

Abraham aber antwortet ihm: "Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören." Übersetzt heißt das: Sie haben die Gebote Gottes und sie haben die mahnende Rede der Männer Gottes, die Israel immer wieder Gottes Willen vor Augen gehalten haben: Recht und Gerechtigkeit üben, keine Ausbeutung der Schwachen, keine Rechtsbeugung, Unterstützung für Witwen und Waisen, Achtung der Fremden im Lande. Wo das umgesetzt wird, sind Menschen auf dem richtigen Weg. 

Der Reiche aber kennt seine Brüder, er kennt seine Mitmenschen: "Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun." Diese Ausrede lässt Abraham nicht zu: "Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde." 

Auch wir Christen haben Mose und die Propheten, wir haben einen, der von den Toten auferstanden ist, Jesus Christus. Und der hat seinen Nachfolgern ans Herz gelegt: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft“ (5. Mose 6,4-5). Das andre ist dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese. (Markus 12,29-31)

Ergänzt werden kann dies durch einen Abschnitt aus 5. Mose 30,19-20: Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, dass du den HERRN, deinen Gott, liebst und seiner Stimme gehorchst und ihm anhangest. Denn das bedeutet für dich, dass du lebst und alt wirst und wohnen bleibst in dem Lande, das der HERR deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat, ihnen zu geben.

Sonntag für Sonntag, Gottesdienst für Gottesdienst, wird der Gemeinde vorgelegt Leben und Tod, Segen und Fluch. Wie fällt unsere Antwort aus?

VATER UNSER

Vater unser im Himmel
geheiligt werde dein Name,
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben
unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. AMEN

Swahili

Baba Yetu uliye mbinguni,
Jina lako litukuzwe,
Ufalmo wako uje,
Mapenzi yako yatimizwe
Hapa duniani kama huko mbinguni.
Utupe leo riziki yetu,
Utusamehe makosa yetu
kama sisi tunavyowasamehe
Waliotukosea.
Usitutie majaribuni,
Lakini utuokoe na yule mwovu.
Kwa kuwa ufalme ni wako,
na nguvu, na utukufu
hata milele. AMEN

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse sein Angesicht leuchten
über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf
dich und gebe dir Frieden.

Swahili

Bwana akubarikie, na kukulinda,
Bwana akuangazie nuru za uso wake,
nakukufadhili;
Bwana akuinulie uso wake
na kukupa amani.

Samstag, 29. Mai 2021

Ein (fast) vergessenes Jubiläum ...

oder: Das Schweigen der Kirchen

Der Artikel wurde zuerst im Hannoverschen Pfarrvereinsblatt 2/21 Sommer 2021, S. 17ff veröffentlicht.

Zugegeben, auch ich hatte jetzt aktuell den 18. April 1521 nicht im Blick, weil ich das Referat über Luthers Auftritt vor dem Reichstag in Worms erst im Herbst bei der Kirchenkreiskonferenz vortragen werde. Allerdings hatte ich bis zu einer kleinen Zeitungsnotiz am Samstag vor dem Jahrestag auch nicht einen Hinweis von kirchenleitender Stelle vernommen. Googelt man das Ereignis zusammen mit dem Suchbegriff “Hannoversche Landeskirche” findet man aktuell lediglich den Hinweis, dass Hans Christian Brandy an Luthers Auftritt in Worms vor Kaiser Karl V erinnert. Warum ist dieses so entscheidende Ereignis lutherischer Geschichte derart untergegangen?

Luther auf dem Reichstag zu Worms - 18. April 1521

Dabei bieten Luthers abschließenden Worte genügend Ansatzpunkte für eine aktuelle Diskussion - in der Kirche, aber auch in der Gesellschaft. “… wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde, denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!” (Dt. Reichstagsakten, Jüngere Reihe, Band II, n. 80, S. 581–582; zitiert nach https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther_auf_dem_Reichstag_zu_Worms_1521#cite_note-55)

eigenes Foto - aufgenommen im Lutherhaus in Wittenberg

Die Stichworte, die Luther damals in die Debatte einbrachte - “Zeugnis der Schrift”, “klare Vernunftgründe” - konnte und wollte man offensichtlich nicht hören, man verweigerte das Gespräch. Karl V berief sich in seiner Antwort, auch im Sinn der damaligen katholischen Kirche, auf die 1.500-jährige Tradition und die “Tatsache”, dass ein Einzelner irren müsse, wenn er gegen die “ganze” Kirche stehe. 

“Zeugnis der Schrift” und “klare Vernunftgründe”

“Zeugnis der Schrift” und “klare Vernunftgründe” sind für mich die beiden Begriffe, die heute fruchtbar gemacht werden können. In der gegenwärtigen Pandemie kommt m.E. beides zu kurz. Da ist für mich zunächst das, was ich im Untertitel das “Schweigen der Kirche” genannt habe. Horst Gorski spricht zwar im aktuellen Pfarrerblatt (04/2021) davon, dass es zu Beginn der Pandemie “eine ungeheuer zahlreiche Produktion von Beiträgen” gegeben habe, und leitende Geistliche hätten “sich in Predigten, Pastoralbriefen, Interviews und Zeitungsartikeln” geäußert, allerdings habe zumindest ich diese Äußerungen nicht wahrgenommen. Anderen (beispielsweise Hartmut Löwe; vgl. Gorski) ging es offensichtlich aber auch so. Die “Fülle” der Beiträge hat wohl doch nur ein „Rauschen“ verursacht (Gorski), das dann nicht über die Medien in die Öffentlichkeit vordrang.

Corona - (k)eine Strafe Gottes

Wahrgenommen habe ich, dass es heftigen Streit gab, ob die Coronapandemie eine “Strafe Gottes” sei. In den etablierten Großkirchen war man sich schnell einig, dass dies keine angemessene Betrachtung sei. Allerdings blieb man eine alternative Sicht schuldig. 

Michael Beintker hat recht, wenn er anmerkt, dass weder die eine noch die andere Seite den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen belegen könnte. “Man müsste ein Prophet sein, um bei der Antwort auf diese Frage in der einen oder anderen Richtung das Richtige zu treffen.” (Pfarrerblatt 03/2021) Aber warum wird beispielsweise nicht an die prophetische Botschaft des Ersten Testaments angeknüpft. Ich nenne nur einige Sätze, die ich in den letzten Wochen in meinen Predigten zitierte: “Ich habe Lust an der Liebe ..., an der Erkenntnis Gottes …” (Hosea 6,6) - “Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versammlungen nicht riechen ... Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.” (Amos 5,21-24) - “Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen. Lasst ab vom Bösen, lernt Gutes tun! Trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!” (Jesaja 1,16f) - “Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.” (Micha 6,8)

Corona - Ruf Gottes zur Umkehr

Die biblische Forderung nach einer Umkehr findet sich auch bei Jesus: “Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!” (Mt 4,17) Dieser Ruf steht am Anfang seiner Wirksamkeit. Als später Pilger aus Galiläa von römischen Soldaten im Tempel ermordet oder Arbeiter von einem umstürzenden Turm in Siloah erschlagen werden, kommt der Begriff “Sünde” ins Spiel. Jesus weist diese Betrachtung zurück, ruft seine Zuhörer aber zur Umkehr, zur Buße auf: “... wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen.” (Lk 13,5)

“Rede nur, wenn du gefragt wirst; aber lebe so, dass du gefragt wirst.” (Paul Claudel)

Gewiss, damit ist noch kein konkretes Handeln beschrieben, das sich gesellschaftspolitisch umsetzen ließe. Aber das wäre wohl auch ein Denkfehler. Kirche ist kein politischer Player! Hier müsste man mit Simon Bellmann (Universale Verkündigung oder partikulare Kommunikation? Pfarrerblatt 04/2021) kritisch weiterdenken. Kirche kann allerdings Kriterien für politisches Handeln nennen. Und die prophetischen Begriffe Recht, Gerechtigkeit, Gutes tun, Unterdrückten helfen, Liebe üben, diese Begriffe sind auch heute noch verständlich. Wenn Kirche dann im linksliberalen Spektrum verortet wird, dann hat das nichts mit den “Denkschriften der EKD seit den 1990er Jahren” zu tun (Simon Bellmann Pfarrerblatt 04/2021). Vielmehr legt es die christliche Botschaft nahe, sich dem Nächsten, dem Schwachen zuzuwenden. Und Wohlstand und Reichtum sind in der biblischen Betrachtung immer Gaben Gottes, die auch zum Wohle anderer eingesetzt werden.

Wenn die biblische Begrifflichkeit in politische Handeln umgemünzt werden soll, dann sind keine Sonntagsreden erforderlich, sondern konkretes Handeln. “Rede nur, wenn du gefragt wirst; aber lebe so, dass du gefragt wirst.” Dieser Paul Claudel (1868 bis 1955) zugeschriebene Satz hat von seiner Aussagekraft und Aktualität auch für kirchliche Akteure nichts verloren. 

In der aktuellen Situation hätte das beispielsweise heißen können, dass die Kirchen zusammen mit den angeschlossenen Werken sich an die Spitze einer Testkampagne gesetzt und kostenlose Coronatests für alle Mitarbeiter angeboten hätte, lange bevor dies von der Politik vorgeschrieben wurde. Und man kann auch nicht auf der einen Seite beklagen, dass Menschen ohne seelsorgerlichen Beistand in den Altenheimen sterben, dann aber dem Anliegen der Pfarrvertretung, Pfarrpersonen als Berufsgruppe in die Priorisierung mit einzubeziehen, mit ablehnender Skepsis begegnen, so dass sich in der Folge kaum jemand noch traut, dieses auch in den Augen Außenstehender berechtigte Anliegen vorzutragen. Die Kirchen könnten “punkten” mit Arbeitsbedingungen in den sozialen Diensten, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen: Entlohnung der Pflegekräfte, die die Belastung durch die Arbeit in Rechnung stellt; Zeit für die zu Pflegenden; Engagement bei den Kitas, damit dort gute Bildungsarbeit geleistet werden kann. An der Basis in den Kirchengemeinden und darüber hinaus in den Kirchenkreisen könnte das kollegiale Miteinander gefördert werden. Hierarchische (Verwaltungs-)Strukturen sind kontraproduktiv. Es lassen sich mühelos weitere Felder finden, auf denen die Kirchen im gesellschaftlichen Kontext als verantwortungsbewusste Partner wahrgenommen werden können. 

Wenn sich die evangelische Kirche weiterhin dem lutherischen Erbe verpflichtet fühlt, dann hat sie die Aufgabe, das “Zeugnis der Schrift” und “klare Vernunftgründe” zusammenzuführen. Wenn die biblische Begrifflichkeit im Rahmen der Kirche mit einem angemessenen Handeln korrespondiert, dann können vielleicht auch wieder Intellektuelle und Zweifler angesprochen werden (gegen Ernst Vielhaber, der von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche im antiken Weltbild spricht; Pfarrerblatt 03/2021).

Auch eine verpasste Chance für die Ökumene

Die Ereignisse des Wormser Reichstags vor 500 Jahren und Entwicklung in den darauffolgenden Jahren haben gezeigt, dass die Verweigerung des theologischen Gespräches, des Disputes in die Spaltung führte. Was hätten sich für Chancen ergeben können, wenn man in Worms miteinander geredet, diskutiert, gerungen hätte? Die seit 2017 vielerorts gelebte und praktizierte Ökumene hätte durchaus das Fundament bieten können, 500 Jahre später sich gemeinsam mit den katholischen Geschwistern an Worms zu erinnern und mit gesellschaftlichen Kräftens ins Gespräch zu kommen. Keine Kirche wird sich heute dem “Zeugnis der Schrift” und “klaren Vernunftgründen” entgegenstellen. Schade, diese Chance wurde verpasst!

vgl. auch meine Predigt vom Sonntag Jubilate (25. April 2021)

Trinitatis

30. Mai 2021

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Sonntag Trinitatis unter der Nummer 954.43. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Christus spricht: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! (2. Kor 13, 13)

Wochenlied:

  • Gelobet sei der Herr, mein Gott (EG 139)
  • Brunn alles Heils, dich ehren wir (EG 140)

Lieder für den Gottesdienst

Seit langer Zeit gestaltet wieder einmal ein Teil der Bläserinnen und Bläser des Meppener Posaunenchores den Gottesdienst musikalische. Darauf dürfen sich alle Gottesdienstteilnehmer freuen. Ausgesucht wurden folgende Lieder: 

  • 302 Du meine Seele, singe
  • 317 Lobe den Herren
  • 352 Alles ist an Gottes Segen
  • 243 Lob Gott getrost mit Singen

Biblische Texte

Psalm 113

1 Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN,
lobet den Namen des HERRN!
2 Gelobt sei der Name des HERRN
von nun an bis in Ewigkeit!
3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
sei gelobet der Name des HERRN!
4 Der HERR ist hoch über alle Völker;
seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.
5 Wer ist wie der HERR, unser Gott,
im Himmel und auf Erden?
6 Der oben thront in der Höhe,
der herniederschaut in die Tiefe,
7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube
und erhöht den Armen aus dem Schmutz,
8 dass er ihn setze neben die Fürsten,
neben die Fürsten seines Volkes. Halleluja!

Lesung Jes 6, 1-13 

1 In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. 2 Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie. 3 Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! 4 Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch.

5 Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen. 6 Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, 7 und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.

8 Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich! 9 Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Höret und verstehet’s nicht; sehet und merket’s nicht! 10 Verstocke das Herz dieses Volks und lass ihre Ohren taub sein und ihre Augen blind, dass sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen.

11 Ich aber sprach: Herr, wie lange? Er sprach: Bis die Städte wüst werden, ohne Einwohner, und die Häuser ohne Menschen und das Feld ganz wüst daliegt. 12 Denn der HERR wird die Menschen weit wegtun, sodass das Land sehr verlassen sein wird. 13 Auch wenn nur der zehnte Teil darin bleibt, so wird es abermals verheert werden, doch wie bei einer Eiche und Linde, von denen beim Fällen noch ein Stumpf bleibt. Ein heiliger Same wird solcher Stumpf sein.

Predigttext - 4. Mose 6, 22-27 - DER PRIESTERLICHE SEGEN

22 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: 24 Der HERR segne dich und behüte dich; 25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. 27 Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Segen
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Predigtnotizen

Gott segnet ...

Gen 1,22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden.

Landtiere 

Gen 1,28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

Gen 2,3 Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

Gen 9,1 Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde. 2 Furcht und Schrecken vor euch sei über allen Tieren auf Erden und über allen Vögeln unter dem Himmel, über allem, was auf dem Erdboden wimmelt, und über allen Fischen im Meer; in eure Hände seien sie gegeben. ...

Gen 12,1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. 4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte …

Segen bedeutet: Gott gibt Abraham ein neues Land … ich will dich zum großen Volk machen ... und dir einen großen Namen machen …

Hi 42,12 Und der HERR segnete Hiob fortan mehr als zuvor, er besaß vierzehntausend Schafe und sechstausend Kamele und tausend Joch Rinder und tausend Eselinnen. 13 Und er bekam sieben Söhne und drei Töchter ...

Wer gibt den Segen weiter 

Priester segnen, Propheten nicht. Propheten verweisen auf Gottes Wort, insbesondere, wenn Menschen dagegen verstoßen. Propheten weisen auf die Konsequenzen hin. Aber sie zeigen immer auch einen Ausweg. 

Gott: Bis die Städte wüst werden ... doch wie bei einer Eiche und Linde, von denen beim Fällen noch ein Stumpf bleibt. Ein heiliger Same wird solcher Stumpf sein.

Zweites Testament 

Lk 2,34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel fallen und viele aufstehen, und ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird ...

Mk 10,16 Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

Lk 9,16 Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel und segnete sie, brach die Brote und gab sie den Jüngern, dass sie dem Volk austeilten.

Lk 24,50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie.

Gal 3,13 Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes ..., 14 damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben.

Segen bei uns 

Segen in der Ordination

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat … (Psalm 103,2)

Segen in der Konfirmation: 

Markus 5:36 - Jesus zu Jairus - Fürchte dich nicht, glaube nur!

1. Timotheus 6:12 Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen.

Segen bei unserer Trauung

Jesaja 54:10 Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.

… damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme … 

Gen 12,1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. 4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte …

Was ich bei Glückwünschen immer sage: Ich wünsche vor allem Gottes reichen Segen …

Gottes Namen auf Sie, liebe Gemeinde, legen, damit er Sie segnet: 

24 Der HERR segne dich und behüte dich; 25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.