Freitag, 24. April 2020

Misericordias Domini

26. April 2020


Meinen Motorradblog findet man hier: https://bmwr1200gs-rkrueger.blogspot.com/
YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/user/pastorralfkrueger

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Sonntag Misericordias Domini - Barmherzigkeit oder Güte Gottes - unter der Nummer 954.35. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr". Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Joh 10, 11a. 27-28a)

Wochenlied:

Der Herr ist mein getreuer Hirt (EG 274)
Es kennt der Herr die Seinen (EG 358)

Lieder im Gottesdienst:

Danke für diesen guten Morgen - EG 334,1.2.4.5
Die Erde ist des Herrn - EG 623,1-4
Laudato si - EG 515,1.2.6.7
Möge die Straße uns zusammenführen

Psalm 23

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
2 Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
3 Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
5 Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
6 Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Evangelium - Johannes 10, 11-16

Jesus sagt: 11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 12 Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, 13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. 14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

Predigt

Liebe Gottesdienstgemeinde an den Bildschirmen,

einen Moment kehren wir zurück in die Gustav-Adolf-Kirche. Den 23. Psalm haben wir vorhin gehört und eben die Geschichte vom Guten Hirten Jesus, wie Johannes sie überliefert hat. Halten wir uns noch einmal vor Augen, welche Bilder der 23. Psalm beschreibt. Zunächst: Gott ist für uns wie ein guter Hirte, der sich um uns kümmert, der für uns sorgt. Dieses Bild hatte ich vorhin mit dem des Schutzengels verbunden, den wir uns für unsere Wege wünschen: Motorradfahrer, aber auch Autofahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger, Eltern für ihre Kinder, eigentlich jeder Mensch für sich und für andere.

Wenn Gott der gute Hirte ist, so beinhaltet dieses Bild aber noch mehr als die schützende Begleitung auf unseren Wegen. Gott gibt uns alles, was wir zum Leben brauchen: Frisches Wasser, grüne Auen, einen reich gedeckten Tisch. Er leitet uns auf der richtigen Bahn, zeigt uns den Weg zu unserem Lebensziel - wir müssen nur auf ihn und sein Wort hören. Selbst wenn es um uns herum dunkel ist, müssen wir uns nicht fürchten. Denn Gott ist bei uns.

Wenn jetzt Jesus sagt: Ich bin der gute Hirte …, dann ist das zunächst einmal ein ungeheuerlicher Anspruch. Alles das, was in der Heilige Schrift über Gott gesagt wurde, das bezieht Jesus auf sich. Aber wenn wir dann auf sein Leben schauen, dann ist das keine Anmaßung. Denn Jesus hat ja genau das, was der 23. Psalm und was andere Bibelstellen über den guten Hirten sagen, gelebt. Jesus hat Menschen gegeben, was sie zum Leben brauchten, er hat sie satt gemacht an der Seele - Vergebung von Sünden - und am Leib - Speisung der 5000, Tischgemeinschaft mit vielen Menschen, Krankenheilung, ja sogar Tote hat er zu neuem Leben erweckt.

Letztendlich hat Jesus das, was man von einem guten Hirten erwartet, dass er nämlich die ihm anvertrauten Schafe gegen alle Gefahren beschützt, das hat Jesus bis zur letzten Konsequenz gelebt. Er hat sein Leben tatsächlich hingegeben, damit wir vom Tod und von dem, was unser Leben kaputt macht, erlöst werden.

Das Alte Testament verwendet das Bild des Hirten aber nicht allein für Gott. Auch die Könige und die Politiker werden als Hirten bezeichnet, die ihr Volk weiden sollen: Also für die Menschen da sein, Politik und Wirtschaft so gestalten, dass jeder zu seinem Recht kommen kann. Leider entsprachen und entsprechen nur wenige dieser Vorstellung. Wir hören nachher noch einmal einen Bibeltext vom Propheten Hesekiel, wo Gott den Herrschern, den Hirten seines Volkes das Gericht ansagt, weil die ihrer Aufgabe nicht nachkommen. Sie weiden sich selbst und vergessen die ihnen anvertrauten Menschen. Deshalb wird Gott diesen Unterdrückern das Hirtenamt nehmen und sich selbst um seine Herde kümmern.

Wohin es führt, wenn politischen Machthaber und religiösen Führer eigenen Ideen und nicht Gottes Wort folgen, wenn Machtansprüche und religiöser Fundamentalismus oder religiöse Richtigkeiten wichtiger sind als eine Menschenfreundlichkeit, die jedem zu seinem Recht verhilft, das mussten Menschen erleben, als Jesus durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus und den jüdischen Hohenrat zum Tode verurteilt wurde. Diese Machthaber konnten es nicht ertragen, dass da einer auftrat, auf den sie keinen Einfluss hatten. Dieser Jesus von Nazareth erhob den Anspruch, die Menschen führen und leiten zu wollen, wie das von Gott selbst erzählt wurde - und damit hielt er den Mächtigen einen Spiegel vor, in dem sie ihr eigenes Fehlverhalten hätten erkennen können. Selbsterkenntnis ist immer der erste Schritt zur Besserung, aber dieser Schritt fällt bis heute schwer.

Wenn wir diese Gedanken auf unsere Gegenwart übertragen, dann müsste eigentlich klar werden, dass wir manches verändern müssen. Das gilt am heutigen Sonntag aus gegebenem Anlass für Motorrad- und Autofahrer und auch alle anderen Verkehrsteilnehmer, dass wir Rücksicht aufeinander nehmen, dass wir Vorsicht um Umsicht walten lassen, dass wir uns bemühen, den anderen wahrzunehmen, damit möglichst alle heil und behütet unterwegs sein können und sicher wieder nach Hause kommen.

Das gilt aber auch für die Zeit, die vor uns liegt, wenn die gegenwärtige Krise aufgearbeitet werden muss. Was ist im Vorfeld schief gelaufen? Wo liegen generell Versäumnisse? Was waren die richtigen, aber auch: was waren die falschen Entscheidungen? Welche politischen und wirtschaftlichen Strukturen müssen wir aufbauen, um besser gewappnet zu sein? Was muss getan werden, um besonders die Schwachen zu schützen - das sind nicht allein die schwachen Menschen, sondern auch schwache Staaten und Erdteile, die auch sonst eine schwere Bürde tragen müssen, damit es den anderen gut geht? Hier muss es einen gerechten Ausgleich geben.

Kriterien für so eine Neugestaltung des Lebens bietet das Bild vom Guten Hirten, das den heutigen Sonntag so prägt. Der Gute Hirte sorgt für die ihm anvertraute Herde, er gibt den Menschen, was sie zum Leben brauchen, er zeigt den Weg zum Ziel des Lebens - und selbst da, wo es dunkel ist, bleibt der Gute Hirte bei seiner Herde.

Der Schlusssatz des 23. Psalm macht deutlich, dass so ein Leben, das sich an Gott ausrichtet, durchaus auch ein erfolgreiches sein kann: Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang - nicht automatisch, aber wenn ich in Gottes Haus bleibe, wie es der Psalmbeter sagt, dann werde ich das Gute und die Barmherzigkeit immer wieder finden. Amen.

Wir hören bzw. singen jetzt das Lied “Die Erde ist des Herrn”. Im Gesangbuch die Nummer 623. Danach geht es noch einmal für eine kurze Zeit zurück auf die Strecke. Zum Abschluss sind wir dann wieder hier in der Kirche.

Alttestamentliche Lesung - Hesekiel 34,1-2.10-16.31

1 Und des HERRN Wort geschah zu mir: 2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?

10 So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen.

11 Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. 12 Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. 13 Ich will sie aus allen Völkern herausführen und aus allen Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und an allen Plätzen des Landes. 14 Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. 15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR. 16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.

31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen