Donnerstag, 19. Juli 2018

8. Sonntag nach Trinitatis

22. Juli 2018


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 8. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.51. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Eph 5, 8b-9)

Wochenlied:

O gläubig Herz, gebenedei (EG 318 - nicht in Rev. 2014)
Rev. 2014: Sonne der Gerechtigkeit (EG 262/263)
Rev. 2014: All Morgen ist ganz frisch und neu (EG 440)

Lieder im Gottesdienst

EG 450,1.2.5 - Morgenglanz der Ewigkeit
EG 449,1.2.5.6 - Die güldne Sonne
EG 652 - Ich glaube an Gott, den Vater
EG 620,1-4 - Freunde, dass der Mandelzweig - als Moritat
EG 293,1.2 - Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all
Freitöne 190 - Verleih uns Frieden

Epistel Eph 5, 8b-14 - Lebt als Kinder des Lichts

Lebt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. 10 Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, 11 und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. 12 Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. 13 Das alles aber wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird; 14 denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

Evangelium Matthäus 5, 13-16 - Salz und Licht

13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.

14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. 16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Predigttext Jes 2, 1-5 - In Zion finden alle Völker Heil und Frieden

1 Dies ist's, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem: 2 Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, 3 und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. 4 Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

5 Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!

Predigtidee

Der Prophet Jesaja ben Amoz schaut die Zukunft Gottes, die Israel - und der Welt - Gottes Frieden verheißt. Was er in der Gegenwart sieht, ist eher zum Verzweifeln. Bedingt durch eine rücksichtslose Wirtschaftspolitik waren große Bevölkerungsteile des Nordreiches Israel verarmt. Einerseits wird Grundbesitz angehäuft: "Weh denen, die ein Haus zum andern bringen und einen Acker an den andern rücken, bis kein Raum mehr da ist und sie allein das Land besitzen!" (Jes 5,8) Andererseits wird das Recht gebeugt: "Weh denen, die unrechte Gesetze machen, und den Schreibern, die unrechtes Urteil schreiben, um die Sache der Armen zu beugen und Gewalt zu üben am Recht der Elenden in meinem Volk, dass die Witwen ihr Raub und die Waisen ihre Beute werden!" (Jes 10,1-2)

Der Prophet reagierte darauf mit scharfer Kritik, die „Recht und Gerechtigkeit“ für die Armen einfordert. Allein wenn diese Forderung erfüllt wird, wird es eine Zukunft für Israel geben.

Die Politiker schlugen die Mahnungen in den Wind. Sie verfolgten ihre eigenen Ziele. "Ab 734 wollte das Nordreich Israel mit dem Südreich Juda eine Allianz gegen das expandierende Assyrien bilden. Dagegen riet Jesaja Ahas, dem damaligen König Judas, allein auf JHWH zu vertrauen, den Gott Gesamtisraels." (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Jesaja#Theologie) Die Reaktion der Großmacht Assyrien ließ nicht auf sich warten. 722 v. Chr. wurde das Nordreich erobert und die Bevölkerung deportiert und überall im assyrischen Reich verstreut angesiedelt, so dass die Vertriebenen sich mit der Zeit zwangsläufig ihrer Umgebung anpassen mussten und in der Völkerwelt verschwanden. Von ihnen gibt es keine geschichtlichen Zeugnisse mehr.

Trotz der klaren Ansage des Untergangs - die sich 722 bewahrheitet - sieht Jesaja für Israel aber auch noch eine Zukunft. Diese Hoffnung richtet sich dabei allein auf Gott, zu dem sich am Ende der Zeiten alle Völker wenden und bekehren werden. Da setzt unser Predigttext ein.

Ich möchte diese Zeilen durchaus auf unsere Gegenwart beziehen und von meiner Hoffnung sprechen, dass es Frieden in der Welt geben wird, wenn die Menschen ins Jerusalem sich versöhnen, wenn Juden, Christen und Moslems in der Heiligen Stadt ihre Gottesdienste feiern können, ohne dass sich eine Religion gegenüber der anderen rechtfertigen oder gar verteidigen muss.

Alle drei Weltreligionen beziehen sich auf einen gemeinsamen Anfang, wonach Gott Abraham aus der Völkerwelt aussonderte. Hieran können wir heute anknüpfen und miteinander fragen, was in Gottes Augen der richtige Weg für die Menschheit ist. Dabei dürfen wir nicht auf die fundamentalistischen Positionen der Religionen schauen - Fundamentalismus, der auf Kosten und zu Lasten des anderen sich profiliert, gibt es in allen Religionen.

Die Botschaft des Propheten Jesaja könnte hier wegweisend sein. Im Blick auf sein Volk fragt Gott: "Wer fordert denn von euch, dass ihr meinen Vorhof zertretet? Bringt nicht mehr dar so vergebliche Speisopfer! Das Räucherwerk ist mir ein Gräuel! Neumonde und Sabbate, wenn ihr zusammenkommt, Frevel und Festversammlung mag ich nicht! Meine Seele ist Feind euren Neumonden und Jahresfesten; sie sind mir eine Last, ich bin's müde, sie zu tragen. Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut. Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen, lasst ab vom Bösen!" (Jes 1,12-16)

Offensichtlich war man bemüht, religiös und rituell alles richtig zu machen und seinen Einsatz gut zu präsentieren. Dieser "äußerliche" Gottesdienst ist Gott aber ein Gräuel. Mit harten Worten macht er durch seinen Prophet deutlich, dass dieses Verhalten in einer Sackgasse endet. Statt dessen fordert Gott:

"Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!" (Jes 1,17) Diese Forderung in der Gegenwart politisch und wirtschaftlich umzusetzen würde allen Menschen auf der Erde eine tragfähige Lebensgrundlage geben.

Darum: "Kommt nun, ... lasst uns wandeln im Licht des HERRN!"

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